Nachdem die DEA (Deutsche Erdoel AG) am 16.10.2017 noch öffentlich gemacht hatte, ihre Nutzungsrechte an der stillgelegten Lagerstättenwasser-Versenkbohrung „Völkersen H1“ aufzugeben, soll nun die Gasförderung an einer anderen Stelle ausgeweitet werden. Laut DEA-Pressemitteilung sollte der Bevölkerung durch die Aufgabe der Versenkbohrung auch die Bereitschaft der DEA zu gutnachbarschaftlichen Beziehungen, bzw. deren "Entgegenkommen" aufgezeigt werden.

Doch nun plant die DEA nördlich der Ortschaft Verden/Scharnhorst eine neue Bohrung (Z12) neben dem seit 1998 bestehenden Förderfeld Völkersen Z4.  (Pressemitteilung vom 07.11.2017)

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt das Wasserwerk Panzenberg...auf ein solches "Entgegenkommen" können wir gerne verzichten.

Unter anderem wurde dazu auch im Weser Kurier und der Kreiszeitung berichtet.

 

Im folgenden die Reaktion der 6 Bürgerinitiativen im Landkreis Verden in Form einer gemeinsamen Stellungnahme/Pressemitteilung:

 

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Verdener Aller-Zeitung

Redaktion

Große Straße 1

27283 Verden

Weitere Suche nach Erdgas im Wasserschutzgebiet

Verdener Allerzeitung vom 09.11.2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Pressemitteilung der DEA vom 07.11.2017, über welche Sie unter dem Titel „Weitere Suche nach Erdgas im Wasserschutzgebiet“ am 09.11.2017 berichten, lässt DEA nun also offiziell die Katze aus dem Sack und lässt die Öffentlichkeit wissen, dass sie eine weitere Erdgasbohrung im Wasserschutzgebiet Panzenberg, niederbringen will.

Es ist nicht akzeptabel, dass DEA durch eine weitere Erdgasförderbohrung in diesem sensiblen Gebiet, ein neues und damit weiteres Risikopotential schafft. Bisher ist dieses Wasserschutzgebiet nicht nur mit den Risiken der aktuellen Erdgasförderung aus der zweimal abgeteuften Bohrung Völkersen Z4 belastet, sondern auch mit dem Risiko der rd. 300.000 m³ Lagerstättenwasser, welche über die Verpressbohrung Völkersen H1 in rd.1000 m Tiefe verpresst wurden. Risiken mit Langzeitwirkung übrigens, sodass sich Schäden meistens erst viel später zeigen.

Hinzu kommt, dass Erdbeben infolge der Erdgasförderung, die zukünftig nicht weniger werden, Schäden an den Bohrungen bewirken können, sich Risse in den Gesteinsschichten ausweiten bzw. neu entstehen können und somit neue Aufstiegspfade für Schadstoffe nicht auszuschließen sind, wodurch das Grundwasser zusätzlich bedroht und nachhaltig geschädigt werden kann. Das auch lange nach Aufgabe der Erdgasförderung.

DEA beweist unseres Erachtens mit dieser im Wasserschutzgebiet Panzenberg geplanten Bohrung, dass sie ihre Geschäftsinteressen über die Interessen und den Willen des größten Teils der Bevölkerung im Landkreis Verden stellt und es in Kauf nimmt, die Trinkwasserversorgung vieler hunderttausend Menschen zu gefährden. Das so oft von DEA bemühte Interesse an gutnachbar-schaftlicher Beziehungen tritt DEA selbst mit Füßen.

DEA sollte endlich akzeptieren, dass, vor dem Hintergrund des Klimawandels, auch die Förderung und Nutzung von Erdgas ein Auslaufmodell und keine „Brückenenergie“ ist, wie es der Bevölkerung gerne weiß gemacht wird und sich dem Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien zuwenden. Da nur liegt die Zukunft und nicht am Festhalten alter Pfründe.

Wir werden alles in unseren Möglichkeiten liegende nutzen um diese Bohrung zu verhindern und sind uns einer breiten Unterstützung aus der Bevölkerung sowie der Politik auf kommunaler, Kreis-/ und Landtagsebene sicher.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag der Bürgerinitativen

„No Fracking“ im Erdgasfeld Völkersen,

Intschede Wesermarsch ohne Bohrtürme,

Flecken Langwedel gegen Gasbohren,

BI Rote Hand Thedinghausen/Achim,

Walle gegen Gasbohren,

Lintler Geest gegen Gasbohren

Wolfgang Marschhausen, BI Flecken Langwedel gegen Gasbohren

 

Hier ist die Mitteilung der Dea AG auf deren Webportal zu lesen. Es wird bekannt gegeben, dass das Nutzungsrecht an der Versenkbohrung Völkersen H1 aufgegeben wird. Hiermit setzt DEA nun endlich eine lange, auch von uns stets erhobene, Forderung breiter Bevölkerungskreise um.

 
Anmerkungen zur DEA-PM:
 
Dass die DEA AG die Nutzungsrechte an der Lagerstättenwasser-Verpressbohrung Völkersen H1 im Wasserschutzgebiet Panzenberg nun endgültig aufgibt, ist eine der seltenen guten Nachrichten aus dem Hause DEA. Gute Nachricht deshalb, weil hiermit eine lange erhobene Forderung, u. a. von den Bürgerinitiativen gegen Gasbohren im Landkreis Verden, umgesetzt wird.

Nun könnte man sich ob dieser guten Nachricht ja beruhigt zurücklehnen, wenn denn damit die mit der Verpressbohrung einhergehenden Risiken aus der Welt wären, was sie aber leider nicht sind, doch der Reihe nach:
Für die seinerzeitige Außerdienststellung der H1 führt DEA in der PM an, dass die „örtlichen Sorgen um das Trinkwasser im Wasserschutzgebiet Panzenberg“ ernst genommen wurden, unterstreicht mit der Rückgabe gar die Bereitschaft zu gutnachbarschaftlicher Beziehung. Wer sich etwas mit dem Werdegang der H1 beschäftigt hat, kommt ob dieser Begründung schon in’s Grübeln. Die wahren Gründe für die seinerzeitige Außerbetriebnahme sind leider nicht so edel motiviert wie DEA der Bevölkerung nun weiß machen will. 

In diesem Zusammenhang sei nur mal an die Verwendung ungeeigneter Leitungen für den Transport des Lagerstättenwassers erinnert, wodurch es zu Umweltschäden kam, was letztendlich den Rückbau des Leitungssystems bewirkte. Schon die zeitliche Korrelation zwischen beiden Sachverhalte spricht für einen anderen Grund. Das die Nutzungsrechte erst jetzt zurückgegeben wurden, ist meinem Kenntnisstand nach deshalb nicht erfolgt, weil die H1 als Backuplösung in der Hinterhand gehalten wurde.
Zwsichenzeitlich geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen, die abgelaufene TÜV-Zulassung dürften wohl eher zu einer anderen betriebswirtschaftlichen Sichtweise geführt haben. Oder ist jetzt die anvisierte Alternative, Verpressen des gesamten bei DEA in Niedersachsen anfallenden Lagerstättenwassers in der ausgeförderten Erdgasbohrung Völkersen Nord Z3, in der Realisierungsphase? Wir als Nachbarn, mit denen DEA ja gutnachbarliche Beziehungen pflegen möchte, haben davon aber noch keine Kenntnis, somit ist das wohl nicht der Fall, auch zukünftig nicht? 

Der Hinweis in der PM, dass es während der mehrjährigen Betriebsdauer der H1 zu keinen Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität gekommen ist, bedeutet leider nicht, dass das auch zukünftig so der Fall sein wird. DEA hinterlässt uns mit dieser Verpressstelle, in welche rd. 300.000 m³ Lagerstättenwasser eingebracht wurden, leider ein Langzeitrisiko und schafft mit der Nord Z3 ein ganz neues. U. a. deshalb ist ein Zurücklehnen nicht möglich.

Ja, und dann scheint mir ein weiterer Sachverhalt in der PM nicht recht plausibel. Viele Nachbarn der DEA im Landkreis Verden, übrigens nicht nur dort, sind mit der Erdgasförderung, gar der Ausweitung durch neue Bohrprojekte, aus guten Gründen, nicht einverstanden. Wer gegen den Willen seiner Nachbarn handelt, stellt seine vielfach bekundete Bereitschaft zu gutnachbarschaftlichen Beziehungen in Frage, handelt konträr zu dieser. 
 
Wolfgang Marschhausen

Was sagen die Wahlprogramme von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linken zur Erdgasförderung und Fracking?

SPD

Seite 79

Für die SPD Niedersachsen hat der Trinkwasserschutz unbedingten Vorrang vor der Erdgasförderung. Daher lehnen wir die Förderung von Erdgas innerhalb von Wasserschutz- gebieten jeder Art ab. Es soll daher geprüft werden, ob es zur Sicherstellung dieser Ziele erforderlich ist, in die niedersächsische ‚Verordnung über Schutzbestimmungen in Was- serschutzgebieten‘ (SchuVO) ein Verbot des Bohrens nach Erdgas in Wasserschutzgebieten jeder Art aufzunehmen. Der Gesundheitsschutz hat für uns dabei oberste Priorität. 

Seite 100,101

Auf dem Weg in eine langfristig allein aus erneuerbaren Energien gespeiste Stromproduktion ist für dieVersorgungssicherheit der Einsatz konventioneller Kraftwerke notwendig. Eine SPD-Landesregierung setzt dabei auf effiziente, emissionsarme Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung. Sie sollen in umweltfreundlicher heimischer Produktion entstehen, um die Erdgaspreise stabil zu halten und die Wertschöpfung im eigenen Land zu generieren.

Kommentar dazu:

Die SPD sieht ihren Handlungsschwerpunkt im Trinkwasserschutz was zu kurz greift, es muss um den Schutz des Grundwassers für alle Nutzungsformen gehen incl. Heil- und Mineral-wasser. Wieso wird Gesundheitsschutz in den Kontext Wasserschutzgebiete gestellt?

Eine Abkehr der SPD von der Erdgasförderung ist nicht erkennbar, sonst würde sie einerseits den Umstieg auf erneuerbare Energien nicht nur auf die Stromerzeugung reflektieren und andererseits nicht auf Gaskraftwerke setzen, deren Gasbedarf zudem noch aus heimischer Produktion stammen soll. Die SPD schiebt den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien vor sich her, wie die Ausführungen auf den Seiten 100 und 101 nahelegen, auch finden sich dort altbekannte und ständig wiedergekäute Argumente, die deswegen aber nicht richtiger werden.

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CDU

Seite 70

Wir werden den Anteil an […] erdgasangetriebenen Bussen beim ÖPNV anheben 

Seite 73

Beim Fracking muss dem Sicherheitsaspekt höchste Priorität eingeräumt werden. Genehmi-gungen dürfen nur erteilt werden, wenn erhebliche Risiken für Mensch und Natur vollständig ausgeschlossen werden können. Grund- und Trinkwasser müssen besonders geschützt werden. 

Kommentar dazu:

Auch bei der CDU ist, analog zur FDP, nicht davon auszugehen, dass sich am Status Quo etwas ändert. Vielmehr muss wohl davon ausgegangen werden, dass diese der Erdgasförderung weiter den Weg bereitet, das kann aus den Einschränkungen zum Thema Fracking abgeleitet werden, denn der Begriff „erhebliche Risiken“ bedeutet letztendlich ja nichts anderes als das Risiken in Kauf genommen werden, also auch wohl die Schiefergasförderung, Stichwort „Versuchsbohrungen“ und in weiterer Folge Aufhebung des eingeschränkten Fracking-verbotes in 2021. Grund- und Trinkwasserschutz scheint der CDU nur im Kontext mit Fracking wichtig, wobei sich die Frage stellt, warum man nicht im Rahmen des Fracking-Regelungspaketes entsprechend Einfluss auf den Prozess in Berlin genommen hat.

Weitere Ausführungen zu den Begriffen Erdgas/Fracking finden sich nicht im CDU Wahlprogramm

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Bündnis 90/Die Grünen

Auf Seite 20 

Es gibt kein gutes Fracking

Niedersachsen ist Erdöl- und Erdgasförderland. Rund zehn Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt von hier. 2016 hat die Bundesregierung die Chance vertan, Fracking komplett zu verbieten. Wir GRÜNEN werden uns daher weiter dafür einsetzen, Fracking im Bundesbergrecht ausnahmslos zu untersagen. Mit uns GRÜNEN wird es auch keine Ausweitung der Erdgasförderung insbesondere im Schiefergestein geben, die nur unter massivem Fracking-Einsatz möglich wäre. Wir wollen die durch die Große Koalition ermöglichten Probebohrungen im niedersächsischen Schiefergestein nicht zulassen. Darüber hinaus lehnen wir auch die Förderung von Kohlenwasserstoffen aus Sandstein mittels horizontalen Frackings ab.

Schon bei der „normalen“ Erdgasförderung ohne Fracking entstehen schädliche Emissionen, giftiges Lagerstättenwasser und belastete Bohrschlämme. Zudem erschüttern Erdbeben die Förderregionen. Um diesen lange unterschätzten Problemen zu begegnen, sorgen wir mit verstärkten Kontrollen und Aussagen für die Durchsetzung des geltenden Rechts. Gefährliche Risiken oder gar gesundheitliche Beeinträchtigungen von Anwohner*innen darf es nicht geben. Entsprechenden Hinweisen gehen wir gründlich nach. Auch deswegen brauchen wir einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Gasförderung. Wir arbeiten engagiert an der Energiewende, um schneller auf fossile Energien zu verzichten. 

Solange noch Erdgas in Niedersachsen gefördert wird, nutzen wir GRÜNEN die landespolitischen Spielräume (zum Beispiel in Wasserschutzgebieten) für scharfe Sicherheitsauflagen und kombinieren dies mit einem umfassenden Programm zum Umweltmonitoring. Wir sorgen dafür, dass sich die Förderindustrie nicht der Verantwortung für ihre Altlasten, wie die über 1.000 Bohrlochschlammgruben, entziehen kann. Die Kosten, die der Allgemeinheit durch die Förderung von Erdöl und Erdgas entstehen, sollen die Verursacher tragen. Darum wollen wir die Gebühren und Abgaben für Förderunternehmen auf ein verursachergerechtes Maß erhöhen.

Die Förderung von Öl und Gas mitten im kostbaren Nationalpark Wattenmeer lehnen wir ab.

Kommentar dazu:

Es finden sich positive Ansätze im Hinblick auf eine Reduzierung der Erdgasförderung, jedoch sind auch hier einige Passagen als kritisch zu sehen, weil sie letztendlich kein konsequentes Konzept ergeben.

Die Aussage: […] keine Ausweitung der Erdgasförderung insbesondere in Schiefergesten […] lässt vermuten, dass eine Ausweitung aus anderen Schichten nicht kategorisch ausgeschlossen wird. Oder […] lehnen wir die Förderung von Kohlenwasserstoffen aus Sandstein mittels horizontalem Frackings ab. […] Daraus läßt sich aber auch folgern, dass Fracking in vertikalen Bohrungen nicht zwingend abgelehnt wird.

Die im zitierten Text in Absatz 2 gemachten Bekundungen […] Problemen zu begegnen, sorgen wir mit verstärkten Kontrollen und Aussagen für die Durchsetzung des geltenden Rechts […] führt nicht zur Lösung der Probleme, sind hole Worte. Und weiter […] Gefährliche Risiken oder gar gesundheitliche Beeinträchtigungen von Anwohner*innen darf es nicht geben […] was bitte sind „Gefährliche Risiken“? 

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FDP

Seite 13

Pauschale Forschungsverbote etwa in den Bereichen […], Fracking und […] lehnen wir ab. 

Kommentar dazu:

Hier findet sich zum Thema Erdgas/Fracking nichts, aus dem sich erkennen ließe, dass die FDP die Erdgasförderung in irgendeiner Form zurückfahren wird, vielmehr ist zu schließen, dass sie die Erdgasförderung befördern wird. 

Diese Passage auf Seite 13 ist die einzige in der der Begriff Fracking erwähnt wird, Erdgas kommt überhaupt nicht vor:

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Die Linke

Seite 68

keinerlei ungefilterte Abfackelung mehr bei der Erdgasförderung – ein absolutes Verbot des so genannten Abblasens von Gas.

die ordnungsgemäße Entsorgung hochgiftiger Abfälle aus der Erdöl- und Erdgasförderung.

umfangreiche Landesstudien zur Ursachenermittlung der Krebshäufungen und anderer Krankheiten im Umfeld von Erdgas- und Erdölförderstätten.

die Verlagerung der Überwachung der Erdgas- und Erdölförderung aus dem industriefreundlichen Wirtschaftsministerium ins Umweltministerium zum Zweck der Sicherstellung der staatlichen Überwachung (wie z. B. in Schleswig-Holstein).

ein Totalverbot des Frackings. 

Kommentar dazu:

Auch Die Linke ist mit ihren Forderungen in ihrem Wahlprogramm bzgl. der Abkehr von der Erdgas- und Erdölförderung nicht wirklich konsequent, bietet kein „rundes Konzept“. Sie fordert aber wenigstens uneingeschränkt ein totales Frackingverbot, was auf Sicht gesehen zum Erliegen der Erdgasförderung führt. Allerdings bleiben die aus der bis dahin erfolgten Förderung resultierenden Risiken bestehen. Welche Konsequenzen will die LInke aus Untersuchungsergebnissen ziehen?

Resümee: Keine der Parteien  bekundet sich zur uneingeschränkten Problemlösung rund um die Erdgasförderung, vielmehr bleiben Schlupflöcher durch unpräzise, ungenaue Formulie-rungen offen. CDU und FDP scheinen, im Gegensatz zu den anderen Parteien, kein Interesse daran zu haben, die Risiken aus der Erdgasförderung wenigstens zu verringern, das Gegenteil steht zu befürchten. Die nächste klimapolitische Fehlentwicklung LNG wird, bis auf Bündnis 90/Die Grünen, diese wollen eine LNG-Infrastruktur für Seeschiffe forcieren, von keiner Partei aufgegriffen.

W. Marschhausen

In diesem Interview mit der neuen Betriebsleiterin der Dea des Förderbetriebes Niedersachsen, Kati Hanack, welches der "Achimer Kurier" am 14.10.2017 und "Verden Stadt und Land" am 17.10.2017  veröffentlicht hatten, spricht diese über die Wichtigkeit der Aufklärung, Erdbebengefahren und mögliche Frackingvorhaben im Landkreis.

Es soll in Zukunft nun alles besser (gemacht) werden...wir Bürgerinitiativen haben da unsere berechtigten Zweifel. Im folgenden ist unsere Stellungnahme zu dem Interview mit Frau Hanack zu lesen, der an beide genannten Pressestellen gesandt wurde:

 

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Achimer Kurier

Redaktion

Obernstraße 63

28832 Achim

Verden Stadt und Land

Redaktion

Große Straße 132

27283 Verden

Interview mit der neuen Betriebsleiterin Frau Hanack des DEA-Förderbetrieb Niedersachsen

Achimer Kurier vom 14.10.2017 und Verden Stadt und Land vom 17.10.2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 14.10. bzw. 17.10.2017 veröffentlichten Sie ein Interview mit der neuen Betriebsleiterin Frau Hanack des DEA-Förderbetriebes Niedersachsen. Hierzu nehmen wir, die Bürgerinitiativen gegen Erdgasförderung im Landkreis Verden, wie folgt öffentlich Stellung:

Frau Hanack spricht von überwiegend positiver Rückmeldung in der Bevölkerung zum Thema Erdgasförderung, davon, dass sich die Situation insgesamt verbessert habe. Hat sie wirklich mit Betroffenen in der Region gesprochen – mit denen, die Erdbebenschäden beklagen, die Angst vor austretenden Giftstoffen infolge der Erdgasförderung und -verarbeitung haben, den Landwirten, die aufgrund von Schadensfällen mit Lagerstättenwasser ihre Erzeugnisse nicht mehr los wurden?

Dass sich die gesamten Problemstellungen rund um die Erdgasförderung und -verarbeitung verbessert haben, also geringer geworden sind, das kann unseres Erachtens wohl kaum gemeint sein, denn daran hat sich nichts wirklich geändert. Gegenteiliges ist zu erwarten, was Frau Hanack indirekt bestätigt, indem sie darauf verweist, dass weitere Projekte zur Ausbeutung der Lager-stätten zu erwarten sind, ganz neue Bohrungen nicht ausgeschlossen.

Im Weiteren führt Frau Hanack sinngemäß aus, dass sie, also die DEA, schon sehr viel getan hat, aber noch mehr informieren müssten, vor allem auch auf die Unterschiede zwischen der Erdgasförderung hier und in anderen Ländern verweisen. Ja was denn, sollen mit den geringeren Umweltstandards in anderen Förderländern die auch hier bestehenden Probleme, Gefährdungen und Risiken die mit der Erdgas- und Erdölförderung incl. Fracking verbunden sind, gutgeheißen werden?

Das Thema Erdbeben möchte Frau Hanack „nicht kleinreden“, benutzt dafür lieber den verharm-losenden Begriff „seismische Ereignisse“. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Ausgleich materieller Schäden durch Erdbeben infolge der Erdgasförderung nach wie vor einem Glücksspiel gleicht. Die DEA ist zwar nach den Erdbeben der jüngeren Vergangenheit konzilianter beim Schadensausgleich vorgegangen, diese sind und bleiben aber freiwillige Leistungen ohne Rechtsanspruch. Ein gesetzlicher Anspruch ergibt sich möglicherweise erst dann, wenn es zu noch stärkeren Erdbeben kommt als bisher.

DEA hofft, dass es zu keinen weiteren Erdbeben kommt und geht im Moment auch nicht davon aus, dass mit einer extremen Zunahme und einer Erhöhung der Erdbebengefahr zu rechnen ist. Diese Einschätzung ist unserer Ansicht nach reiner Zweckoptimismus und durch nichts begründet, hiergegen spricht nicht nur die Fortführung der Erdgasförderung, sondern auch die geplante Erweiterung.

Zur Frage nach dem Verbleib des im Landkreis Verden anfallenden Lagerstättenwassers ist besonders die Aussage interessant, dass immerhin 40% des Lagerstättenwassers über Tage aufbereitet werden; da stellt sich die Frage: Warum wird dies nicht auch mit den übrigen 60% praktiziert, was technisch durchaus möglich ist?

Stattdessen beabsichtigt DEA, zukünftig in der ausgeförderten Lagerstätte Völkersen Nord Z3 das gesamte in Niedersachsen bei der DEA anfallende Lagerstättenwasser zu verpressen, welches leider in dem Interview kein Thema war. Diese Entsorgungsmöglichkeit ist übrigens vom Gesetzgeber mit der Verabschiedung des Fracking-Regelungspaketes geschaffen worden, ohne dass es dafür unabhängige wissenschaftliche Risikostudien gibt. Die betroffenen Regionen werden damit einem unkalkulierbaren Risiko in Bezug auf vielfältige Umweltschäden ausgesetzt. 

Entgegen der Ansicht von Herrn Merle ist Fracking mit dem Inkrafttreten des Fracking-Regelungs-paketes nicht streng reglementiert. Es sind zwar einige Hürden aufgestellt, nur liegt die Latte nicht sehr hoch, es ist vieles Makulatur in diesen Gesetzen und Verordnungen. Das Gesetzespaket ist eher eine Einladung an die Industrie, nun endlich entsprechende Anträge zu stellen. Insofern ist nichts Gutes zu erwarten, daran ändert auch nichts, dass DEA derzeit noch keinen Fracking-Antrag gestellt hat – das kann morgen schon ganz anders aussehen.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag der Bürgerinitiativen

„No Fracking“ im Erdgasfeld Völkersen,

Intschede Wesermarsch ohne Bohrtürme,

Flecken Langwedel gegen Gasbohren,

BI Rote Hand Thedinghausen/Achim,

Walle gegen Gasbohren,

Lintler Geest gegen Gasbohren

Gero Landzettel, Sprecher der BI Flecken Langwedel gegen Gasbohren

Bild zu Bi Stellungnahme Interwiew

 

Logo Stop Fracking

(Verden, Berlin, 03.05.2017) Auf ihrem neunten Bundestreffen am 29./30.4.2017 in Verden (Aller) haben die im bundesweiten Zusammenschluss Gegen Gasbohren organisierten Anti-Fracking-Initiativen ein umfangreiches Programm absolviert. Dabei ergänzten sich die zahlreichen Fachvorträge, politischen Analysen und perspektivischen Planungen perfekt. Entgegen der Darstellung der Bundesregierung ist Fracking nicht vom Tisch, sondern wird konsequent von der Erdgas- und Erdölindustrie vorangetrieben. Gerade aufgrund des in Kraft befindlichen Pro-Fracking-Rechts setzen die Initiativen auch neue Akzente.

Teilnehmer 9. Bundestreffen 1

 

Trotz aller Beschwichtigungsversuche der Gas- und Ölindustrie liegen die Gefahren des Fracking mit der nachfolgenden Erdgasförderung nach wie vor klar auf der Hand: Grundwasserkontaminationen, Erdbeben, die Freisetzung radioaktiver Stoffe aus dem Untergrund, eine ungelöste Entsorgungsproblematik und eine miserable Klimabilanz sind die Folgen des gefährlichen Gasbohrens. Als neu identifizierte Gefahrenquelle kommen nun auch die Reinigungs- und Wartungsarbeiten an Bohrlöchern hinzu. Eingesetzte Chemikalien und aus der Tiefe an die Oberfläche transportierte gefährliche Stoffe können sich bei diesen Prozessen in der Umgebung verteilen.

Das niedersächsische Landesgesundheitsamt hat die richtige Konsequenz aus den Krebsfällen in Bothel gezogen. Es empfiehlt, eine niedersachsenweite epidemiologische Studie zu einem möglichen Zusammenhang zwischen der Kohlenwasserstoffförderung und dem Auftreten bestimmter Krebserkrankungen durchzuführen. Gegen Gasbohren stellt dabei fest, dass die entscheidenden Hinweise für Emissionen und auffällige Krebsraten nicht von den Behörden, sondern aus der Zivilgesellschaft kamen. Daher ist das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung aufgefordert, die in den letzten Jahren gewachsene und konstruktive Zusammenarbeit mit VertreterInnen der Zivilgesellschaft im Rahmen einer transparent geführten Debatte um das Studiendesign fortzuführen. Die avisierte Studie sollte nun geradewegs auf die Ursachenklärung ausgerichtet sein und nicht aus Zeit- oder Kostengründen wieder nur Hinweise generieren. Zudem sollte das Land Niedersachsen die heute möglichen flugunterstützten Luftmessungen über den Fördergebieten und bodennahe Luftmessungen durch unabhängige Institute durchführen lassen, um damit endlich Klarheit über die Stoffgemische zu schaffen, die in die Atemluft der Bevölkerung gelangen können.

Zukünftig werden von den Gas- und Ölkonzernen zahlreiche bergrechtliche Planfeststellungsverfahren eingeleitet, mit denen die Gasförderung unter Einsatz der Fracking-Technik an den jeweiligen Standorten durchgesetzt werden soll. Diese Verwaltungsverfahren müssen mit der Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt werden. Einwendungen gegen die Anträge der Unternehmen müssen in Erörterungsterminen besprochen werden. Um auf diese Verfahren und die ergehenden Entscheidungen Einfluss zu nehmen und Fracking-Vorhaben zu verhindern, wird sich die Anti-Fracking-Bewegung verstärkt mit diesen Verfahren auseinandersetzen.

Ausdrücklich begrüßt wurde die von einem breiten Bündnis in Schleswig-Holstein getragene Volksinitiative zum Schutz des Wassers. Damit soll Fracking in diesem Bundesland über entsprechende Bestimmungen im Landeswassergesetz komplett untersagt werden. Die verfassungsrechtlichen Bedenken der Landesregierung müssen angesichts der neuen Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages endgültig als vorgeschoben angesehen werden. Das Bündnis fordert alle Parteien und Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein dazu auf, sich dieser Volksinitiative anzuschließen (http://www.vi-wasser.de/). Innerhalb eines Jahres müssen 20.000 Unterschriften gesammelt werden.

Auch im Hinblick auf die Bundestagswahl hat sich Gegen Gasbohren klar positioniert. Nach dem Versagen der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD beim Schutz der Bevölkerung und der Umwelt vor den Gefahren des Fracking wird von den bei der Bundestagswahl kandidierenden Parteien gefordert, sich für ein ausnahmsloses und unbefristetes Fracking-Verbot auszusprechen und dies umgehend nach der Wahl durchzusetzen.

Weitere Informationen zum Thema Fracking: http://www.gegen-gasbohren.de